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Buchkultur im Elektronischen Zeitalter

Editorial  geschrieben Sept 2001                 zum Neustart 2008

Seit zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit der Entwicklung neuer Medien und dem elektronischen Publizieren. Schon früh war mir klar, dass mit den elektronischen Medien ein Wandel in der Kommunikation verbunden war, der von seiner Auswirkung auf die Gesellschaft mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichbar ist. Der Buchdruck hat der Neuzeit den Weg geebnet, dem Zeitalter von Wissenschaft und Technik. Welche Zeit wird mit der elektronischen Kommunikation anbrechen?

Ich will mich nicht als Prophet betätigen. Doch als nüchterner Beobachter der Entwicklung von Technik und Gesellschaft kann man einiges erkennen und beschreiben. Das Zusammenwachsen der Medien im Internet wird nicht das Ende der Buchkultur sein, es wird vielmehr die Lesekultur auf eine neue Stufe führen. Mit Stufen der Kultur und Buch der Zukunft sind die theoretischen Überlegungen skizziert. Mit dem Autoren-Projekt gehe ich einen Schritt weiter. Es ist der Versuch, die neue Buchkultur als Autor praktisch zu nutzen und durch das Beispiel zu fördern.

Mit der neuen Buchkultur wird sich das Verhältnis von Verlag und Autor grundlegend ändern. Ich behaupte nicht, dass Verlage überflüssig würden, doch sie müssen ihre Aufgaben neu definieren. Das Autoren-Projekt ist daher zugleich ein Verlagsprojekt. Autoren, die sich mit Themen beschäftigen, die dem Programm des Autoren-Projekts verwandt sind, finden hier eine Plattform, können die Ressourcen der Website und des Servers nutzen.

Als Autor steht für mich der Roman "Das wahre Lied vom Werk der Bücher" im Mittelpunkt. Solange es das Buch der Zukunft nicht gibt, wird dieser Roman am Ende als gedrucktes Buch vorliegen. Das Romanprojekt geht jedoch über das gedruckte Buch hinaus. Es beteiligt den Leser bereits in seiner Entstehungsphase und eröffnet ihm mit dem Einblick in das im Rahmen der Recherche gesammelte Material eine eigene Welt, eine Gedankenwelt, die uns die Kultur des ausgehenden Mittelalters vielleicht wieder etwas näher bringen kann.

Vieles, was diese von mündlicher Überlieferung und Gedächtnisleistung geprägte Kultur zu bieten hatte, ist uns inzwischen verloren gegangen. Die elektronische Kommunikation kann uns manches davon auf einer neuen Stufe wieder zurückbringen. Es kommt auf uns an, was wir daraus machen.

Norbert Enste

17. September 2001