Ein Szenario. in english
geschrieben September 2001
Nachtrag: gesehen auf der CeBIT 2010 (Tagebucheintrag)
Auch
wenn das Buch in der heutigen Form vollständig verschwinden würde, gibt
es keinen Grund vom Ende der Buchkultur zu sprechen. Vielmehr wird es
eine neue Generation von Büchern geben. Wie immer das Buch der Zukunft
aussehen mag, welche Technik auch immer dahinterstehen wird,
letztendlich wird es auf der Kultur aufbauen, die vom Buch geschaffen
wurde. Die heute auf dem Markt angebotenen Laptops stellen sich bereits
mit ihren Namen, wie PowerBook, Notebook, LifeBook in die Tradition des
Buches, von Form, Größe und Gewicht sind sie dem traditionellen Buch
ohne weiteres vergleichbar.
Wenn man die technische Entwicklung betrachtet, wird es schon in wenigen Jahren möglich sein, die Mimesis vollkommen zu machen. Das Display wird aus einer dünnen Folie bestehen, die von der Haptik her das Papier nachahmt. Was die Qualität der Darstellung angeht, wird es kein Problem sein, die Auflösung der feinsten Druckraster zu überbieten, womit der Gestaltung jeder Spielraum gegeben ist. Und natürlich wird die typografische Gestaltung auf der Tradition der Buchgestaltung aufbauen.
In Praktikabilität und Disponibilität aber wird das Buch der Zukunft
dem gedruckten Buch bei weitem überlegen sein. Durch die Entwicklung
der Netze und der Mobilkommunikation wird man mit der zunehmenden
Bereitstellung der Inhalte in digitaler Form mit einem Buch
praktisch alle Bücher zugleich in der Hand halten. Dass dies massive
Auswirkungen vor allem auch auf die wissenschaftliche Arbeit mit
Büchern hat, ist offenkundig. Welcher Art diese Auswirkungen sind,
lässt sich allerdings nicht so einfach sagen. Dabei spielt z.B. auch
die automatische Übersetzung eine Rolle, von der inzwischen zu erkennen
ist, dass sie kein unüberwindliches Hindernis mehr darstellt. Was die
Praktikabilität im Alltag angeht, so wird die Möglichkeit der
Sprachausgabe einen nachhaltigen Einfluss auf unseren Umgang mit
Büchern haben. Nicht weniger nachhaltig wird sich die Tatsache
auswirken, dass das Buch der Zukunft multimedial sein wird.
Neben Text und Bild stehen auch Ton und Film in beträchtlichem Umfang
und akzeptabler Qualität zur Verfügung.
Durch den Einsatz neuer Werkstoffe ist das Buch der Zukunft extrem leicht und robust. Sein Stromverbrauch ist minimal und wird durch einen frei schwenkbaren Lichtkollektor gesichert, der zugleich als Antenne dient. Sie ermöglicht sowohl den Empfang von Satelliten- als auch terrestrischen Netzen, die eine unbegrenzte Sprach- und Datenkommunikation erlauben. Mikrofon und Lautsprecher sind in das Gerät integriert. Eine eingebaute Kamera dient der Bildkommunikation, kann aber auch für Dokumentationszwecke eingesetzt werden. Der interne Bildspeicher reicht für einige Stunden Film oder Hunderttausende Einzelbilder in hochauflösender Qualität.
Die Informationsangebote können aus einer Vielzahl von Quellen abgerufen werden. Die meisten sind als multimediale Datenbanken ausgelegt, es gibt aber nach wie vor eine große Menge reiner Textdatenbanken, gleichzeitig können eine große Zahl von Fernsehprogrammen empfangen oder Filme aus Archiven abgerufen werden. Über das Internet kann sich jeder als Informationsanbieter betätigen.
Das wichtigste Element für die Nutzung des Geräts ist das hochauflösende Display, das nicht nur eine gestochen scharfe Schrift, sondern auch ein brillantes Farbbild liefert, das stufenlos vergrößert oder verkleinert werden kann. Sie kann als hauchdünne Folie ausgelegt werden, so dass man von der Haptik her Papier nachahmen und von der Darstellungsqualität ein dem Offsetdruck vergleichbares Ergebnis erzielen kann.
Ein elektronischer Stift ermöglicht handschriftliche Eingaben oder aber verschiedene grafische Nutzeroberflächen anbietet. Dieser elektronische Stift ist zugleich ein vielseitiges Kommunikationsinstrument. Als Diktiergerät speichert er gesprochenen Text. Wird er in seine Halterung am Buch gesteckt, so überträgt er diesen Text automatisch in den Spracheingabebereich, wo er zur weiteren Verarbeitung als geschriebener Text zur Verfügung steht. Er dient zugleich auch dem schnellen Datenaustausch zwischen Büchern. Zum Standard des Buchs der Zukunft gehören Spracheingabe und Sprachausgabe. Man kann sich also aufgerufene Texte vorlesen lassen. Ergänzt wird dies durch die automatische Übersetzung.
Bis die Technik den oben beschriebenen Stand der Entwicklung erreicht haben wird, - was vielleicht 2015 der Fall sein kann - wird aller Voraussicht nach weiterhin eine Computergeneration die nächste jagen. Irgendwann wird man sich jedoch auf weltweit einheitliche Standards geeinigt haben, die dadurch, dass neuere Entwicklungen ältere Verfahren stets mit abdecken, auch eine hohe Zukunftssicherheit geben. Ähnlich wie nach der Erfindung des Buchdrucks bis zur Entwicklung des Offsetdrucks eine Ruhephase in der technischen Entwicklung des Drucks eingetreten war, werden auch die elektronischen Medien auf einem hohen Niveau zur Ruhe kommen und man wird sich auf die Inhalte konzentrieren.


